Historie

VBÖIm Jahr 2008 feiert der VBÖ sein 100-jähriges Bestandsjubiläum.

1908 wird im damals zweitgrößten Staat Europas, der österreichisch/ungarischen Monarchie mit ihren 53 Mio. Einwohnern, in Wien der „Verband der Händler mit Zement, Kalk und Gips“ gegründet. Der Name weist auf die schon damals herausragende Bedeutung der mineralischen Bindemittel hin.

Bald wird Kontakt aufgenommen zum Verein der Zementfabrikanten und über die Belieferung der Mitglieder verhandelt.

Das Ende des 1. Weltkrieges 1918 bringt nicht nur das Ende der Habsburger, sondern ist gleichzeitig auch die Geburt der Republik Österreich.

Der Baustoffhandel beginnt ebenfalls wieder bei null und mit ihm sein Verband.

Zwischen 1918 und 1922 existiert der Verband als Fachgruppe im Deutsch – Österreichischen Gewerbebund.

Am 23. März 1912 wird wieder ein eigenständiger „Verband der Baustoffhändler Österreichs“ VBÖ gegründet.
Noch im selben Jahr treten die ersten Industrien als Verbandsförderer bei. Es sind dies die Permoser Zementwerke AG (heute Lafarge Permoser) und die Wietersdorfer Zementwerke. In einer der ersten Aussendungen dieses neu gegründeten Verbandes werden schon damals die auch noch heute gültigen Grundsätze besonders hervorgehoben:

„Der Verein wird sich … der energischen Vertretung der Interessen des Bauwarenhandels und der heimatlichen Zementwarenerzeugung widmen. Er wird den Mitgliedern bei Verhandlungen mit der Baustoffindustrie zur Seite stehen. Wir wollen in gemeinsamer Arbeit die Hebung der Produktion und die Vermehrung des Unternehmensertrages unserer Branche bewirken“.

Die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er – Anfang der 1930er Jahre hat auch massive Auswirkungen auf die Wirtschaft Österreichs und damit auf den heimischen Baustoffhandel. Forderungsausfälle bedrohen die Existenz des Baustoffhandels. Deshalb wird 1932 beschlossen, die Errichtung einer Kreditschutzstelle als Selbsthilfeorganisation bei Zahlungsausfällen zu gründen.

Der erzwungene Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 bedeutet auch das vorläufige Ende des Verbandes Österreichischer Baustoffhändler. Er wird vom damaligen Ministerium für Internes und kulturelle Angelegenheiten am 25. Juli 1938 einfach aufgelöst. Die Mitglieder dieses österreichischen Verbandes werden in den „Landesverband Donauland, Alpenlandsüdmark im Reichsverband deutscher Baustoffhändler e.V.“ übergeleitet.

1946 wird ausgehend von einigen Wiener Baustoffhändlern wieder ein „Verband der Baustoffhändler Österreich“ gegründet. Über militärische Besatzungszonen hinweg wird bald Kontakt zu Baustoffhändlern in anderen Bundesländern aufgenommen. Schon im Juni 1946 findet eine erste Mitgliederversammlung in Innsbruck statt. Die Mitgliederzahl beträgt zu dieser Zeit 138 Firmen. Im Juni 1950 findet in Gmunden die erste Österreichische Baustoffhandelstagung statt. Bis zum heutigen Tag werden ihr 52 weitere Baustoffhandelstagungen folgen.

VBÖIm Zementhändlerverband Österreichs dauert die Überleitung aus dem Zementhändlerverband Südost während der Kriegszeit in der Zementhändlerverband Österreichs neu entsteht. Anfang 1947 ist es aber auch da soweit. Beide Verbände werden aus Kostengründen in einer Bürogemeinschaft geführt.

Ab 1951 wird mit den benachbarten Verbänden in Deutschland, Schweiz und Holland Kontakt aufgenommen. So bestand also schon vor Gründung der europäischen Baustoffhändlerorganisation UFEMAT eine Keimzelle der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit benachbarter und auch schon sehr bald befreundeter Verbände.

Im Jahr 1957 schließt der VBÖ durch eine Satzungsänderung an seine Tradition aus dem Jahr 1922 an. In diesem Jahr wird der Beitritt von Förderern aus der Industrie ermöglicht. Diese – nun auch institutionalisierte – Zusammenarbeit zwischen Baustoffhandel und Baustoffindustrie entwickelt sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu einer Kernaufgabe des VBÖ´s. Auf diesem Weg können die Interessen des Handels mit denen der Baustoffindustrie am ehestens zur Deckung gebracht werden.

In den Jahrzehnten des „Wiederaufbaues Österreichs“ entwickelt sich auf Grund des enormen Baubedarfs der Baustoffhandel entsprechend positiv. Die Anzahl der VBÖ – Mitglieder steigt auf rund 250. Diese Firmen repräsentieren rund 90 % des österreichischen Baustoffhandelsvolumens.

In den 1970-er Jahren erkennen die ersten vorausblickenden Baustoffhändler die zukünftige Bedeutung der Baumärkte. Österreichs Baustoffhändler sind die ersten, welche diese neue Vertriebsform aufgreifen und Baumärkte eröffnen. Der Baustoffhandel entwickelt sich also zu einem Vollsortimenter im Baustoff und do it yourself Bedarf. Damit ändert sich auch die Kundenstruktur. Der Baustoffhandel spricht nicht mehr ausschließlich gewerbliche Verarbeiter, sondern auch Privatkunden an.
In seinen eigenen Strukturen hat der VBÖ im Laufe der Jahre zahlreiche Arbeitskreise und Plattformen gebildet. In ihnen werden sortimentsspezifische Themen und Problemkreise behandelt.

Derzeit liegt der Schwerpunkt der VBÖ – Tätigkeit in den Bemühungen, seinen Mitgliedern die Basis ihrer Geschäftstätigkeit zu erhalten: Den dreistufigen Vertrieb Industrie – Fachhandel – Verarbeiter. Obwohl praktisch alle namhaften Baustoffproduzenten den Vertrieb über den Fachhandel dem Direktvertrieb vorziehen, gibt es doch immer wieder Tendenzen, diese Grundlinie – wenn auch nur vorübergehend – zu verlassen. Der Baustoff – Fachhandel ist deshalb aufgerufen, die Auswahl seiner Lieferanten nicht nur nach kurzfristigen Optimierungsgesichtspunkten zu treffen, sondern im Sinne einer lang dauernden und tragfähigen Partnerschaft die grundsätzliche Haltung zum Fachhandel zu bewerten.